Ankerketten

Ankerkette richtig wählen: Durchmesser, Norm (DIN 766 oder ISO 4565) und Material

Die Ankerkette muss zuerst zur Kettennuss der Ankerwinde passen. Durchmesser und Norm, DIN 766 oder ISO 4565, gibt der Hersteller der Winde vor; die beiden Normen unterscheiden sich bei mehreren Größen in der Teilung. Danach entscheidet der Werkstoff: A4L ist der bewährte Standard, Duplex trägt bei gleichem Durchmesser deutlich mehr und ist beständiger gegen Lochfraß. Für die Auslegung zählt die Arbeitslast, nicht die Bruchlast.

Steel-Deal Ratgeber · aktualisiert am · Lesezeit 4 Minuten

Segelyacht vor Anker im Gegenlicht, die Ankerkette läuft vom Bug ins Wasser

Das Wichtigste in Kürze

  • Erst die Kettennuss prüfen: Durchmesser und Norm stehen in den Unterlagen der Ankerwinde.
  • DIN 766 und ISO 4565 haben bei 6 und 8 mm fast dieselbe Teilung, bei 10 und 16 mm nicht. Die Größen 12 mm (ISO) und 13 mm (DIN) gibt es nur in je einer Norm.
  • Kurzgliedrig und kalibriert: Langgliedrige Ketten nach DIN 763 laufen nicht über eine Kettennuss.
  • Rechnen Sie mit der Arbeitslast. Sie liegt bei den Ankerketten im Shop bei etwa einem Viertel der Bruchlast.
  • Duplex passt auf dieselbe Kettennuss wie A4L gleicher Norm und Größe, weil Teilung und Breite gleich sind.

Zuerst die Kettennuss

Die Ankerwinde zieht die Kette über die Kettennuss, ein Rad mit Taschen, in die jedes Glied genau hineinpasst. Passen Teilung und Breite der Glieder nicht zur Nuss, springt die Kette über, klemmt oder läuft unter Last durch. Deshalb steht am Anfang jeder Kettenwahl eine Frage: Für welche Kette ist Ihre Kettennuss gebaut?

Die Antwort steht in den Unterlagen der Ankerwinde und oft auf der Kettennuss selbst, als Durchmesser und Norm, zum Beispiel 8 mm DIN 766. Die Maße der Kettennüsse sind ihrerseits genormt; Grundlage ist die Kette, für die sie gebaut sind. Ohne Winde, etwa bei kleinen Booten mit Handbetrieb, sind Sie freier und wählen die Kette nach Last und Gewicht.

DIN 766 und ISO 4565: die Unterschiede

Beide Normen beschreiben kurzgliedrige Rundstahlketten. Der Unterschied liegt in den Maßen der Glieder: der inneren Länge, auch Teilung genannt, und der Breite. Die Tabelle zeigt die Maße der Duplex-Ketten im Shop; die Ketten aus A4L haben in jeder Größe dieselben Maße.

Maße der Kettenglieder: ähnlich DIN 766 und ähnlich ISO 4565

KettenstärkeDIN 766 Teilung (iL)DIN 766 Breite (B)ISO 4565 Teilung (iL)ISO 4565 Breite (B)
6 mm18,5 mm20 mm18 mm20,9 mm
8 mm24 mm26 mm24 mm27,8 mm
10 mm28 mm34 mm30 mm35 mm
12 mmnicht geführtnicht geführt36 mm42 mm
13 mm36 mm44 mmnicht geführtnicht geführt
16 mm45 mm53 mm48 mm54 mm

Werte aus den technischen Daten der Duplex-Ketten im Shop. Die Ketten aus A4L haben dieselben Maße.

Bei 6 und 8 mm sind die Teilungen beider Normen fast oder ganz gleich. Bei 10 und 16 mm sind die Glieder nach ISO 4565 länger. Eine Kette nach ISO 4565 läuft dann nicht sauber auf einer Kettennuss für DIN 766 und umgekehrt. Die Größen 12 mm gibt es nur nach ISO 4565, 13 mm nur nach DIN 766.

Die Ketten im Shop tragen die Bezeichnung ähnlich DIN 766 und ähnlich ISO 4565. Sie orientieren sich in den Maßen an der jeweiligen Norm. Vergleichen Sie Teilung und Breite mit den Angaben Ihrer Winde, die Werte stehen bei jeder Ausführung in den technischen Daten.

Der richtige Durchmesser

Haben Sie eine Ankerwinde, gibt die Kettennuss den Durchmesser vor. Ohne Winde richtet er sich nach der Last, die das Ankergeschirr aufnehmen soll, und nach dem Gewicht, das Sie am Bug tragen und von Hand heben wollen. Orientierung geben die Empfehlungen der Hersteller von Anker und Winde für Ihre Bootsgröße.

Wichtig für die Auslegung ist die Arbeitslast. Sie ist die Last, die die Kette im Betrieb dauerhaft tragen darf. Die Bruchlast ist der Wert, bei dem sie im Versuch reißt. Bei den Ankerketten im Shop liegt die Arbeitslast bei etwa einem Viertel der Bruchlast. Diese Reserve braucht es, weil am Anker keine ruhige Last wirkt: Böen, Schwell und das Einrucken der Kette erzeugen Lastspitzen.

Ein Ruckdämpfer nimmt diese Spitzen auf. Bewährt ist eine Kettenkralle mit Leine, die die Last von der Winde auf eine Klampe oder einen Poller umleitet.

A4L oder Duplex

Für Ankerketten aus Edelstahl gibt es im Shop zwei Werkstoffe in gleicher Geometrie: A4L (1.4404) und Duplex (1.4462). Weil Teilung und Breite gleich sind, passen beide auf dieselbe Kettennuss. Der Unterschied liegt in der Last und in der Beständigkeit:

Ankerkette ähnlich DIN 766: A4L und Duplex im Vergleich

KettenstärkeBruchlast A4LBruchlast DuplexDuplex mehrArbeitslast A4LArbeitslast Duplex
6 mm3.000 kg3.850 kg+28 %750 kg900 kg
8 mm5.300 kg6.700 kg+26 %1.250 kg1.600 kg
10 mm8.500 kg10.800 kg+27 %2.000 kg2.500 kg
13 mm12.500 kg18.000 kg+44 %3.200 kg4.250 kg
16 mm20.000 kg26.000 kg+30 %5.000 kg6.300 kg

Werte aus den technischen Daten der Ketten im Shop. Beide Ketten sind kurzgliedrig und orientieren sich an DIN 766.

A4L ist der bewährte Standard für Binnenreviere und kühle Küstengewässer. Duplex trägt bei gleichem Durchmesser deutlich mehr und hat die höhere Wirksumme gegen Lochfraß. Es lohnt sich für warme Reviere, für lange Liegezeiten vor Anker und für hohe Lasten. Mehr dazu im Artikel Duplex-Ankerkette für warme Gewässer.

Ankerkette oder einfache Edelstahlkette

Nicht jede kurzgliedrige Edelstahlkette ist für den Anker gedacht. Die Rollenware Art. 8300 aus A4 orientiert sich ebenfalls an DIN 766, ist aber für Befestigungen, Absperrungen und leichte Aufgaben gebaut. Bei gleichem Durchmesser liegt ihre Bruchlast deutlich unter der Ankerkette Art. 8240:

Rollenware Art. 8300 (A4) und Ankerkette Art. 8240 (A4L) bei gleichem Durchmesser

KettenstärkeBruchlast Art. 8300 A4Bruchlast Art. 8240 A4LAnkerkette mehr
6 mm1.630 kg3.000 kg+84 %
8 mm3.000 kg5.300 kg+77 %
10 mm4.890 kg8.500 kg+74 %

Werte aus den technischen Daten der Artikel im Shop.

Für das Ankergeschirr gehört deshalb eine Kette her, für die der Hersteller Arbeitslast und Bruchlast angibt.

Wie viel Kette?

Die nötige Kettenlänge hängt von Wassertiefe, Wind, Seegang und Ankergrund ab. Verbreitet ist die Faustregel, bei reiner Kette mindestens die dreifache Wassertiefe zu stecken, bei Wind deutlich mehr. Rechnen Sie dabei vom Bug bis zum Grund, also mit der Höhe des Bugs über dem Wasser. Markierungen in festen Abständen zeigen beim Ankern, wie viel Kette draußen ist.

Checkliste vor dem Kauf

  1. Durchmesser und Norm der Kettennuss aus den Unterlagen der Ankerwinde ablesen.
  2. Teilung und Breite der Kette mit den Angaben der Winde vergleichen.
  3. Werkstoff wählen: A4L für Binnenrevier und kühle Küste, Duplex für warmes Salzwasser, Langfahrt und hohe Lasten.
  4. Arbeitslast prüfen, nicht nur Bruchlast.
  5. Länge festlegen und Markierungen einplanen.
  6. Verbindungsteile passend zur Kette wählen: Schäkel, Wirbel und Verbindungsglied.

Häufige Fragen

Passt eine Kette nach ISO 4565 auf eine Kettennuss für DIN 766?

Bei 6 und 8 mm sind die Teilungen fast gleich, bei 10 und 16 mm sind die Glieder nach ISO 4565 länger. Dort läuft die Kette nicht sauber auf der falschen Nuss. Verlassen Sie sich auf die Angaben des Windenherstellers und vergleichen Sie Teilung und Breite in den technischen Daten.

Was ist der Unterschied zwischen Arbeitslast und Bruchlast?

Die Arbeitslast ist die Last, die eine Kette im Betrieb dauerhaft tragen darf. Die Bruchlast ist die Last, bei der sie im Versuch reißt. Bei den Ankerketten im Shop liegt die Arbeitslast bei etwa einem Viertel der Bruchlast. Legen Sie Ihr Ankergeschirr nach der Arbeitslast aus.

Kann ich von A4 auf Duplex wechseln, ohne die Kettennuss zu tauschen?

Ja, bei gleicher Norm und gleichem Durchmesser. Die Duplex-Ketten im Shop haben dieselbe Teilung und Breite wie die Ketten aus A4L.

Wird Ankerkette meterweise verkauft?

Ja. Die Ankerketten im Shop werden je Meter verkauft; Sie bestellen die gewünschte Länge als Menge.

Quellen und Normen

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